EU-weit droht ein Verbot von sich auf „Fleisch“ beziehende Begriffe und Namen für vegane und vegetarische Fleischalternativen – der Veggie-Burger soll also bald nicht mehr Burger heißen dürfen, zumindest wenn es nach dem Agrarausschuss des EU-Parlaments geht. Hersteller pflanzlicher Alternativprodukte wollen sich das nicht gefallen lassen und haben jetzt eine Petition gestartet, welche die zuständigen Politiker dazu auffordert, gegen die Gesetzesvorlage zu stimmen.

Die Fleischlobby versucht seit Jahren, Bezeichnungen wie „Burger“, „Wurst“ oder „Schnitzel“ für ihre Produkte schützen zu lassen. In Frankreich gilt bereits seit 2018 ein entsprechendes Gesetz – bei Zuwiderhandlungen drohen seither Strafen von bis zu 300.000 Euro – , der Vorstoß zu der Gesetzesänderung kam von einem Abgeordneten, der selbst Rinderzüchter ist. In Deutschland haben der Deutsche Fleischer-Verband und der Deutsche Bauern-Verband 2016 bei der Deutschen Lebensmittelbuchkommission (DMLBK) den Antrag gestellt, dass „Bezeichnungen von Fleischerzeugnissen“ für fleischlose Erzeugnisse untersagt werden sollen. Der damalige Agrarminister Christian Schmidt (CSU) übernahm die Belange dieser Lobbyorganisationen eins zu eins und forderte im Januar 2017, „Fleischnamen für Veggie-Produkte“, wie Bild damals schrieb, zu verbieten – das Handelsblatt bezeichnete Schmidt daraufhin als „Sturmgeschütz der deutschen Fleischindustrie“. Unter seiner Nachfolgerin Julia Klöckner (CDU) hat die DMLBK Ende 2018 dann „Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel mit Ähnlichkeit zu Lebensmitteln tierischen Ursprungs“ veröffentlicht, in denen es z.B. heißt, Bezeichnungen wie „Salami“ oder „Lyoner“ sollten fortan nicht mehr für solche Produkte verwendet werden. Auch in Österreich und in der Schweiz gab es ähnliche Vorstöße von Lobbyorganisationen und Politikern. Nun droht ein scharfes Verbot auf EU-Ebene: Am 1. April hat der Agrarausschuss des Europaparlaments eine Gesetzesvorlage beschlossen, die vorsieht, dass sich auf „Fleisch“ beziehende Begriffe und Namen ausschließlich für „die zum Verzehr geeigneten Teile des Tieres“ gebraucht werden dürfen – „einschließlich Blut“. Die Fleischindustrie sei ganz offensichtlich „in Panik, weil sich junge Menschen vom Fleischessen abwenden“, kommentierte Molly Scott Cato, eine britische grüne Europaabgeordnete, die Mitglied des Agrarausschusses ist, die Abstimmung.

Um der Lobby der Tierindustrie und ihrem Einfluss auf die Politik etwas entgegensetzen, haben einige Hersteller pflanzlicher Bioprodukte sich bereits im letzten Jahr zusammengetan und eine Interessengemeinschaft gegründet. Zusammengefunden haben sie auf der BIOFACH, der weltweit größten Messe für ökologische Produkte, im Rahmen einer Veranstaltung, die die Interessenvertretung für vegane Bioprodukte Vegorganic e.V. gemeinsam mit dem Bundesverband Naturkost Naturwaren ausgerichtet hat. Angeschlossen haben sich namhafte Unternehmen wie unter anderem Taifun Tofu, Purvegan oder Happy Cheeze – Unternehmen, die vegane Bio-Produkte herstellen. Schon damals forderten wir neben der Abkehr von der Massentierhaltung und einer stärkeren Förderung der ökologischen Landwirtschaft den Abbau von gesetzgeberischen Barrieren zur Kennzeichnung pflanzlicher Milch- und Fleischalternativen.

Dass, während immer mehr Menschen auf die Straßen gehen, um eine lebenswerte Zukunft einzufordern und die Politiker endlich zum Handeln zu bewegen, diese nichts Besseres zu tun haben als ausgerechnet gegen umwelt- und klimafreundliche Alternativprodukte vorzugehen, halten wir für einen Skandal! Alternativen aus pflanzlichen Proteinen, die Ressourcen und Emissionen sparen und zudem gesünder sind, sind dringend notwendig und sollten den Menschen mit vertrauten Bezeichnungen entgegenkommen. Letztere sind auch bereits seit Jahrzehnten etabliert. Der Zugang zu pflanzlichen Alternativen darf nicht erschwert, sondern muss vereinfacht werden. Die entsprechenden Richtlinien, Vorgaben und geplanten Gesetze, die auf die Lobbyarbeit der Fleischindustrie zurückgehen, sollten entsprechend revidiert werden. Wir haben daher auf change.org, der weltweit größten Plattform für Online-Aktivismus – sowie auf der eigens zu diesem Zweck eingerichteten Website burgerrebellion.eu und auf Facebook – Petitionen in deutscher, englischer und französischer Sprache gestartet, um diesen Vorstoß der Fleischlobby zu verhindern. Denn noch ist es nicht zu spät: Bevor das EU-weite Verbot wirksam wird, muss nach der Europawahl im Mai noch das gesamte Parlament zustimmen – wir fordern die EU-Abgeordneten dazu auf, gegen die vom Agrarausschuss eingebrachte Gesetzesvorlage zu stimmen! Wir rufen dazu auf, die Petition als Einzelperson oder als Organisation zu unterzeichnen und sich online mit dem Hashtag #BurgerRebellion am Protest zu beteiligen. Außerdem sind wir aktiv auf der Suche nach weiteren Bündnispartnern, die unseren Protest unterstützen. Dies können etwa vegane und vegetarische, Umwelt- und Klimaschutz-, Nachhaltigkeits-, Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen sein. Wir sind derzeit dabei, uns mit anderen am Thema Interessierten zu vernetzen, um gemeinsam nächste Schritte zu planen.

Alle relevanten Informationen und Links zu den Petitionen finden sich unter www.burgerrebellion.eu.

Direktlinks zu den Petitionen:

#BurgerRebellion – Fleischlobby stoppen: kein Namensverbot für Fleischalternativen!
#BurgerRebellion – stop the latest assault on meat alternatives!

Ne laissons pas les lobbies de la viande décider des noms dédiés aux alternatives véganes!

Facebook-Seiten:

BurgerRebellion: kein Namensverbot für vegetarische und vegane Alternativen
burgerrebellion – stop the latest assault on meat alternatives
burgerrebellion – sauvez les noms dédiés aux alternatives véganes