Was läuft gut in Sachen Klimaschutz bei dem Seitan- Pionier? Warum enthalten Verpackungen veganer Lebensmittel Plastik? Charles-Henry Debal im Interview.

Charles-Henry Debal, Geschäftsführer der TOPAS GmbH, schreibt mit dem Gründer Klaus Gaiser die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens Wheaty weiter.

 

Herr Debal, Wheaty gibt es seit über 25 Jahren. Was macht das Unternehmen so erfolgreich?

Der Mix aus Trend und Tradition. Als die ersten Bio-Läden in den 70er-Jahren aufmachten und die Nachfrage nach Fleischalternativen wuchs, brachte Klaus Gaiser, der Senior-Geschäftsführer, Tofu auf den deutschen Markt. Er studierte in Asien Sinologie und lernte vor Ort die vegane Ernährungsweise kennen. Als er zurückkam, fing er an, Tofu zunächst im Bekanntenkreis vorzustellen und ihn schließlich selber zu produzieren. Mit Erfolg! Im Laufe der Zeit sind wir auf Alternativen mit Seitan umgestiegen, einem Weizeneiweiß mit fleischähnlicher Konsistenz. Was für uns heute und in Zukunft spannend ist: die Kombination eines traditionell asiatischen Lebensmittels mit deutscher Würzung und Verarbeitung zur Herstellung von veganen Würsten, Steaks und anderen Fleischalternativen.

Welches vegane Wheaty-Produkt ist der Renner?

Das ist schwierig, im Grunde sind es mehrere! Die erste Aufschnittsorte „vom Rauch“, die wir entwickelt haben, hält sich nach wie vor sehr erfolgreich auf dem Markt, obwohl wir unser Sortiment an Aufschnitt stets erweitern. Auch der Neuling „Sucuk“ kommt aktuell sehr gut an! Ebenfalls beliebt sind die veganen Alternativen zu Döner, Gyros und Thüringer Bratwurst. Unser Topseller ist der „Vegan Superhero Burger“, der seinem Vorbild aus Fleisch im Geschmack in nichts nachsteht. Die Patties sind bissfest, körnig und saftig. Der entscheidende Unterschied: Trotz fleischähnlicher Textur und Würzung sind alle unsere Produkte vegan und damit wesentlich klimafreundlicher als vergleichbare Produkte aus Fleisch.

Worauf legen Sie bei der Würzung wert?

Auf eine klassische Würzung, z. B. mit Knoblauch. Doch eine Mischung zu finden, die mit einer pflanzlichen Alternative eine geschmackliche Symbiose eingeht, ist eine Herausforderung. Manche Gewürze sacken regelrecht ab in pflanzlichem Umfeld, manche treten dominanter hervor. Einen feinen Mittelweg zu finden, das schafft man nur durch Kochkunst und Ausprobieren. Die richtige Würzung und Konsistenz tragen entscheidend zum Erfolg des Produktes bei und erleichtern damit auch der stets wachsenden Gruppe der Flexitarier den Umstieg. Was wiederum dem Tier- und Klimaschutz zugutekommt.

Was läuft in Sachen Klimaschutz gut bei Wheaty, wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Es wurde schon immer darauf geachtet, so klimaneutral und -freundlich wie möglich zu produzieren. Je größer das Unternehemen wurde, umso professioneller haben wir uns auch dahin gehend entwickelt. Wir verwenden Ökostrom und versuchen, die Wege so kurz wie möglich zu halten. Es versteht sich von selbst, dass die Hauptrohstoffe aus der näheren Umgebung stammen. Verbesserungsbedarf in der Produktion gibt es natürlich immer, weil die technischen Möglichkeiten sich von Zeit zu Zeit verbessern. Ansonsten steht das Thema Verpackung ganz oben auf unserer Agenda.

Wie werden Wheaty-Produkte momentan verpackt?

Wir setzen keinerlei tierische Produkte für unsere Verpackungen, Etiketten und den Klebstoff ein. Seit einem halben Jahr verwenden wir außerdem eine neue Folie, die bis zu 40 Prozent Plastik einspart. Das ist ein weiterer, sehr guter Meilenstein, um Kunststoff zu reduzieren.

Warum lässt Plastik sich nicht vollständig ersetzen?

Leider erlaubt die Lebensmittelkontrolle bisher nur wenige Möglichkeiten. Wir beobachten die Entwicklung von Verpackungsmaterialien sehr genau und suchen schon lange nach kompostierbaren Verpackungsmitteln, aber es gibt noch keine brauchbaren Alternativen für unsere Produkte. Kompostierbares Plastik scheidet wegen der Hygiene und Haltbarkeit von erhitzten Lebensmitteln aus. Wir haben immer wieder geschaut, ob es mit Blick auf die CO₂-Emissionen günstiger ist, die Produkte in Gläser statt in Plastikschalen zu packen. Aber auch hier ist der Energieeinsatz für die Herstellung und Wiederverwendung der Glasbehälter wesentlich höher. Wir bauen darauf, dass es in Zukunft Mischverpackungen geben wird, die auch für erhitzte Lebensmittel einsetzbar sind.

Worauf setzt Wheaty in Zukunft außerdem?

Als Geschäftsführer kümmere ich mich um die notwendige Weiterentwicklung des Unternehmens. Klaus Gaiser konzentriert sich auf die Produktentwicklung. Er ist mit seinem Team der Tüftler und kreative Kopf hinter allen Wheaty-Kreationen, die auf den Markt kommen. Indem ich ihm das tägliche Geschäft abnehme, hat er mehr Zeit, um in der Versuchsküche Rezepte auszuprobieren und neue Formeln sowie Würzungen zu entwickeln. Man kann also sagen: Wir haben einen sanften Generationswechsel geschafft, mit dem wir einen weiteren Schritt in Richtung klimaschonende, vegane Zukunft gehen. sip